DT1-Regler (BDR1)

Beschreibung und Anwendungsbeispiele

Abb.: DT1-Regler
Best.-Nr. 201-00003

Mit dem Fortschreiten der technologischen Entwicklungen müssen Anwender lernen, die Größenordnung und damit die modulare Einteilung eines technischen Systems einzuschätzen. Von der Systemstruktur hängt die Spezifikation der einzelnen Aufgabenstellungen für jede modulare Einheit ab, die zur Gestaltung der Gesamtlösung führt. Unabhängig von der Größenordnung des technischen Prozesses, also angefangen von der Messung einer speziellen physikalischen Größe mit einem Sensor über das Stellen einer Prozessgröße mit einem Aktor bis hin zur kompletten Fabrikautomation, lassen sich immer wieder zwei wesentliche Verarbeitungsstrukturen beim Umgang mit den Signalgrößen feststellen, nämlich das Steuern und das Regeln.

Diese Signalgrößen können z.B. Ströme und Spannungen, man spricht von elektrischen Signalgrößen, aber auch Druck, Temperatur, Drehzahl, Geschwindigkeit, Beleuchtungsstärke usw. sein, man spricht dann von nicht-elektrischen Größen.

Die wesentlichste Aufgabe der Regelung besteht darin, eine bestimmte Prozessgröße (Regelgröße, Istwert x) unabhängig von auftretenden Störungen auf einen vorgegebenen Führungswert (Sollwert w) zu bringen, der je nach Vorgabe, zeitlich konstant oder auch veränderlich sein kann.

In der Regelungstechnik ist der D-Regler bzw. DT1-Regler Bestandteil des einschleifigen Regelkreises gem. Abb.1:

Abb.1: Der DT1-Regler im Regelkreis

Im störungsfreien Idealfall stimmen der Vorgabewert w (z.B. Drehzahlwert eines Motors laut Programm) und der Istwert x (tatsächlich gemessene Drehzahl im Prozess) überein. In einem solchen Fall ist die Regelabweichung e zwischen Soll- und Istwert Null. Die Übereinstimmung von Soll- und Istwert kann aber durch auftretende Störungen z (z.B. Lastschwankungen, Reibung) nicht immer gegeben sein. Jetzt ist es die Aufgabe der Regelung diesen Unterschied durch einen ständigen Vergleich von Führungs- und Regelgröße selbständig zu erkennen und gegebenenfalls auszuregeln, bis der Vorgabewert mit dem Istwert wieder übereinstimmt.

Die Regelung erfordert die kontinuierliche Messung der Istgröße und den Vergleich mit der Sollgröße. Dies geschieht in einem geschlossenen Wirkungsablauf. Man spricht wegen der Kreisstruktur von einem Regelkreis.

In der Praxis kommen ganz unterschiedliche Regelungsstrukturen zum Einsatz. Diese unterscheiden sich vor allem in der Art und Weise, wie für einen betrachteten Regelkreis die Führungsgröße w generiert wird. Dies beeinflusst auch die Reglereinstellung, denn es ist regelungstechnisch ein Unterschied, ob sich in erster Linie die Führungsgröße des Regelkreises ändert oder ob vor allem Störgrößen auszuregeln sind.

Abb.2: Führungs- und Störungsverhalten

  • Das Führungsverhalten wird danach beurteilt, wie schnell und exakt die Regelgröße einen neu vorgegebenen Sollwert erreicht.
  • Ein gutes Störungsverhalten ist dadurch gekennzeichnet, dass der Regler beim Auftreten einer Störung den ursprünglichen Gleichgewichtszustand sehr schnell wiederherstellt.
D-Regler und DT1-Regler im Regelkreis

Das vorliegende Lehrmittel DT1-Regler des Trainingssystems BASICS ist für den Einsatz im Bereich der Regelungstechnik konzipiert. Das allgemein verwendete Symbol des idealen D-Reglers und realen DT1-Reglers, seine Sprungsantwort, zeigt Abb.3:

Abb.3: Symbol des D-Reglers und des DT1-Reglers (Sprungsantwort)

Abb.4 zeigt den Einsatz des DT1-Reglers im einschleifigen Regelkreis:

Abb.4: Einsatz des DT1-Reglers im Regelkreis

Die Aktorik umfasst die gesamte Stelleinrichtung mit allen technologischen Einzelheiten. Dies ist besonders dann zu beachten, wenn hier größere Energien umgesetzt werden. Der Messwandler verarbeitet die Signale des Sensors am Messort. In der Übertragungseinheit ist stellvertretend die gesamte Wandlungskette inklusive aller Übertragungskomponenten (Transmitter) udgl. enthalten.

In erster Linie besteht die Aufgabe des Reglers darin, plötzlich auftretende Störungen so schnell und so genau wie möglich auszuregeln und damit die aufgrund einer Störung entstandene Differenz zwischen Soll- und Istwert zu Null zu machen bzw. zu reduzieren. Allein das Halten eines bereits eingestellten Istwertes erfordert auch eine Regelung. Wie das Regelverhalten aussieht, hängt schließlich von allen Regelkreiskomponenten und deren Zusammenwirken ab.

Wenn alle Regelkreiskomponenten ausgewählt und eingestellt sind und die Regelstrecke in ihrem Wesen (Strecke mit Ausgleich oder ohne Ausgleich) bekannt ist, dann bestimmt der Typus des Reglers mit seinen (im stetigen Fall) drei möglichen Varianten (P, I und D) dieses Regelverhalten. Der Anwender hat dann die Aufgabe, die „optimale“ Einstellung durch Wahl geeigneter Werte für die Regelparameter (hier TD) herauszufinden.

Regelverhalten

Unabhängig von der Form der Regelabweichung gilt für den Ausgang des idealen

D-Reglers (bzw. des D-Anteils eines PID-Reglers) folgendes differenzierendes Zeit-verhalten:

Zeitverhalten idealer D-Regler:

Die Sprungantwort des D-Reglers entspricht der Impulsfunktion:

Abb.5: Sprungantwort, Parameter und Symbol des idealen D-Reglers

Der D-Regler reagiert somit nur auf Veränderungen des Eingangssignals. Er bewertet die Veränderung mit dem Beiwert KD, der von der Dimension her mit der Differenzierzeit TD gleichzusetzen ist.

Beim D-Regler müsste theoretisch bei einem Sprung am Eingang ein Impuls am Ausgang mit unendlich hoher Amplitude entstehen. Dies führt zu Schwingungen des Reglers.

Durch die Verbindung mit eine Verzögerungszeit T1 wird der Abfall des Signals verzögert, so dass die Schwingungsneigung gemindert wird. In der Praxis kommt daher der reine D-Regler so nicht vor.

Statt dessen spricht man vom DT1-Regler. Seine Sprungantwort und das Symbol ist der Abb.6 zu entnehmen:

Abb.6: Sprungantwort, Parameter und Symbol des idealen DT1-Reglers

Da lediglich bei der Änderung der Eingangsgröße ein Ausgangssignal entsteht, bietet sich für die regelungstechnische Praxis besser die Auswertung der Anstiegsantwort an. Bei linearem Anstieg des Eingangs (Regelabweichung) erhält man als Anstiegsantwort eine konstante Ausgangsgröße (Stellgröße):

Abb.7: Anstieg und Anstiegsantwort des idealen D-Reglers

Parameter Differenzierbeiwert TD (Variante A und B)

Aus der Darstellung in Abb.7 lässt sich die messtechnische Vorschrift zur Ermittlung des Differenzierbeiwertes KD bzw. der Differenzierzeit TD ableiten:

Differenzierbeiwert

Betrag der Stellgröße

Zeitliche Änderung der Regelabweichung

Der Differenzierbeiwert KD bzw. die identische Differenzierzeit TD ergibt sich danach aus dem Verhältnis von Betrag der Regelgröße am Ausgang zur Änderungsgeschwindigkeit der Regelabweichung am Eingang. Je größer KD ist, desto stärker reagiert der D-Regler auf Änderungen der Regelabweichung e. Der D-Regler ist somit gegenüber dem P-Reglern schneller. Er eilt dem P-Regler um die Zeit TD voraus.

Variante A und B

Damit möglichst viele Anwendungen mit dem DT1-Regler realisiert werden können, wird er in zwei Varianten ausgeliefert, d.h. durch die entsprechende Bestückung kann jeweils eine Variante fest aufgebaut werden. Grundsätzlich werden alle Bauteile ausgeliefert, so dass der Anwender entscheiden kann, welche Bestückung in seiner Anwendung die sinnvollste ist. Bei fertig aufgebauten und getesteten Karten wird die Variante A werksseitig bestückt und die zusätzlichen Bauteile für Variante B beigefügt. Dem entsprechend beinhaltet die vorliegende Produktdokumentation auch jeweils zwei Schaltpläne und zwei Stücklisten (Variante A und
Variante B).

DT1-Regler als Bestandteil des PIDT1-Reglers

Abb.8: Struktur des PID(T1)-Reglers und die sich daraus ergebenden Kombinationen

Der PIDT1-Regler ist in der klassischen Parallelstruktur aufgebaut. In dieser Parallel-schaltung werden die drei Anteile (P, I, D) am Reglerausgang aufsummiert, d.h. überlagert.
Abb.8 zeigt die realisierte Struktur und die sich daraus ergebenden Reglerkombinationen mit ihren Sprungantworten und den allgemein typischen Parametern.
Aus der Darstellung geht hervor, dass ein PI-Regler die Parallelschaltung eines P-Reglers und eines I-Reglers ist, bzw. der PID-Regler mit abgeschaltetem D-Anteil. Analoges gilt für den PD-Regler, der die Parallelschaltung eines P-Reglers und eines D-Reglers darstellt. Die Struktur der kombinierten Reglertypen macht deutlich, dass auch die Sprungantworten eine Überlagerung der Teilsprungantworten sein muss.
Die Sprungantwort des analogen PID-Reglers mit seinen Anteilen lautet dann:

So wie die Struktur des PID-Reglers auf die Verschaltung der Einzelkomponenten hinweist, nämlich auf die einfache Addition, so sind auch die Anteile der Zeitfunktionen mathematisch zu addieren, was einer grafischen Überlagerung gleichkommt: 

Abb.9: Sprung der Regelabweichung e und Sprungantwort yR des PID(T1)-Reglers mit 3 überlagerten Anteilen

Somit ist der DT1-Regler Bestandteil des PIDT1-Reglers und des Regelkreises laut Abbildung 10:

Abb.10: Regelkreis mit DT1-Regler als Bestandteil des PIDT1-Reglers

Offsetabgleich

Gerade bei empfindlichen Messaufbauten wirkt sich die exakte Kalibrierung eines Reglers sehr vorteilhaft aus. Deshalb besitzt der DT1-Regler ein Abgleichpotentiometer, mit dessen Hilfe eine exakte Parametereinstellung vorgenommen werden kann.

Abb.11: DT1-Regler mit Offsetabgleich

Verzögerungszeit T1

Die natürliche Schwingungsneigung des DT1-Reglers lässt sich durch die variierbare Verzögerungszeit T1 individuell einstellen und begrenzen. Die Zeitkonstante T1 wirkt wie eine Begrenzung der Bandbreite. Hierbei werden nur die Anteile gefiltert, die den differenzierenden Charakter des D-Reglers unverändert lassen und statt dessen den hochfrequenten Bereich herausfiltern, der nur als Störung interpretiert werden kann.

So kann eine genaue Analyse der differenzierenden Eigenschaften des DT1-Reglers vorgenommen werden. Eine besonders wichtige Bedeutung gewinnt diese Funktion im Hinblick auf praxisrelevante Aufgabenstellungen.

Schaltungsanalyse

Für eine Schaltungsanalyse sind dokumentierte Messpunkte auf der Platine vorgesehen.

Schaltungserweiterungen

Darüber hinaus befindet sich auf ihr ein separates Padfeld für anwenderspezifische Schaltungserweiterungen.

Lage der Bedienelemente auf der Frontplatte

Abb.12: Aluminiumfront

Datenblatt

Hinweis:
Alle Daten verstehen sich als typische Werte. Abweichungen insbesondere durch Bestückungsänderungen möglich. Änderungen vorbehalten.

Lieferumfang

Die Lieferung erfolgt je nach Best.-Nr. als fertig aufgebaute und getestete Baugruppe (Fertiggerät) bzw. als kompletter Bauteilsatz zu praktischen Lötübungszwecken (Bausatz). Zubehör ist optional und muss extra bestellt werden. Dieses Zubehör gehört nicht zum Lieferumfang.

hier: Vollständige Produktbeschreibung als Download

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