P-Regler (BPR1)

Beschreibung und Anwendungsbeispiele

Abb.: P-Regler
Best.-Nr. 201-00001

Mit dem Fortschreiten der technologischen Entwicklungen müssen Anwender lernen, die Größenordnung und damit die modulare Einteilung eines technischen Systems einzuschätzen. Von der Systemstruktur hängt die Spezifikation der einzelnen Aufgabenstellungen für jede modulare Einheit ab, die zur Gestaltung der Gesamtlösung führt. Unabhängig von der Größenordnung des technischen Prozesses, also angefangen von der Messung einer speziellen physikalischen Größe mit einem Sensor über das Stellen einer Prozessgröße mit einem Aktor bis hin zur kompletten Fabrikautomation, lassen sich immer wieder zwei wesentliche Verarbeitungsstrukturen beim Umgang mit den Signalgrößen feststellen, nämlich das Steuern und das Regeln.

Diese Signalgrößen können z.B. Ströme und Spannungen, man spricht von elektrischen Signalgrößen, aber auch Druck, Temperatur, Drehzahl, Geschwindigkeit, Beleuchtungsstärke usw. sein, man spricht dann von nicht-elektrischen Größen.

Die wesentlichste Aufgabe der Regelung besteht darin, eine bestimmte Prozessgröße (Regelgröße, Istwert x) unabhängig von auftretenden Störungen auf einen vorgegebenen Führungswert (Sollwert w) zu bringen, der je nach Vorgabe, zeitlich konstant oder auch veränderlich sein kann.

In der Regelungstechnik ist der P-Regler Bestandteil des einschleifigen Regelkreises gem. Abb.1:

Abb.1: Der P-Regler im Regelkreis

Im störungsfreien Idealfall stimmen der Vorgabewert w (z.B. Drehzahlwert eines Motors laut Programm) und der Istwert x (tatsächlich gemessene Drehzahl im Prozess) überein. In einem solchen Fall ist die Regelabweichung e zwischen Soll- und Istwert Null. Die Übereinstimmung von Soll- und Istwert kann aber durch auftretende Störungen z (z.B. Lastschwankungen, Reibung) nicht immer gegeben sein. Jetzt ist es die Aufgabe der Regelung diesen Unterschied durch einen ständigen Vergleich von Führungs- und Regelgröße selbständig zu erkennen und gegebenenfalls auszuregeln, bis der Vorgabewert mit dem Istwert wieder übereinstimmt.

Die Regelung erfordert die kontinuierliche Messung der Istgröße und den Vergleich mit der Sollgröße. Dies geschieht in einem geschlossenen Wirkungsablauf. Man spricht wegen der Kreisstruktur von einem Regelkreis.

In der Praxis kommen ganz unterschiedliche Regelungsstrukturen zum Einsatz. Diese unterscheiden sich vor allem in der Art und Weise, wie für einen betrachteten Regelkreis die Führungsgröße w generiert wird. Dies beeinflusst auch die Reglereinstellung, denn es ist regelungstechnisch ein Unterschied, ob sich in erster Linie die Führungsgröße des Regelkreises ändert oder ob vor allem Störgrößen auszuregeln sind.

Abb.2: Führungs- und Störungsverhalten

  • Das Führungsverhalten wird danach beurteilt, wie schnell und exakt die Regelgröße einen neu vorgegebenen Sollwert erreicht.
  • Ein gutes Störungsverhalten ist dadurch gekennzeichnet, dass der Regler beim Auftreten einer Störung den ursprünglichen Gleichgewichtszustand sehr schnell wiederherstellt.
P-Regler im Regelkreis

Das vorliegende Lehrmittel P-Regler des Trainingssystems BASICS ist für den Einsatz im Bereich der Regelungstechnik konzipiert. Das allgemein verwendete Symbol des P-Reglers, seine Sprungantwort, zeigt Abb.3:

Abb.3: Symbol des P-Reglers (Sprungantwort)

Abb.4 zeigt den Einsatz des P-Reglers im einschleifigen Regelkreis:

Abb.4: Einsatz des P-Reglers im Regelkreis

Die Aktorik umfasst die gesamte Stelleinrichtung mit allen technologischen Einzelheiten. Dies ist besonders dann zu beachten, wenn hier größere Energien umgesetzt werden.

Der Messwandler verarbeitet die Signale des Sensors am Messort. In der Übertragungseinheit ist stellvertretend die gesamte Wandlungskette inklusive aller Übertragungskomponenten (Transmitter) udgl. enthalten.

In erster Linie besteht die Aufgabe des Reglers darin, plötzlich auftretende Störungen so schnell und so genau wie möglich auszuregeln und damit die aufgrund einer Störung entstandene Differenz zwischen Soll- und Istwert zu Null zu machen bzw. zu reduzieren. Allein das Halten eines bereits eingestellten Istwertes erfordert auch eine Regelung.

Wie das Regelverhalten aussieht, hängt schließlich von allen Regelkreiskomponenten und deren Zusammenwirken ab.

Wenn alle Regelkreiskomponenten ausgewählt und eingestellt sind und die Regelstrecke in ihrem Wesen (Strecke mit Ausgleich oder ohne Ausgleich) bekannt ist, dann bestimmt der Typus des Reglers mit seinen (im stetigen Fall) drei möglichen Varianten (P, I und D) dieses Regelverhalten.

Der Anwender hat dann die Aufgabe, die „optimale“ Einstellung durch Wahl geeigneter Werte für die Regelparameter (hier KP) herauszufinden.

Regelverhalten

Der ideale P-Regler entspricht einem reinem Verstärker. Der qualitative Verlauf des Eingangssignals wird nicht verändert. Es wird lediglich eine Veränderung der Amplitude hervorgerufen. Das proportionale Zeitverhalten des P-Reglers (bzw. des P-Anteils eines PID-Reglers) beschreibt die folgende Gleichung:

Zeitverhalten des P-Reglers: YR(t) = KP . e(t)

Abb.5 zeigt die Sprungantwort des idealen P-Reglers, das Symbol und den Parameter KP:

Abb.5: Sprungantwort, Parameter und Symbol des P-Reglers

Parameter Proportionalbeiwert

Aus der oberen Darstellung ist erkennbar, wie sich der Wert für den Parameter KP sehr einfach grafisch ermitteln lässt, nämlich als Verhältnis von Ausgangssprung ∆yR zu Eingangssprung ∆e:

Proportionalbeiwert

Änderung der Stellgröße

Betrag (Änderung) der Regelabweichung

Man erkennt, dass bei gleicher Physik am Ein- und Ausgang des Reglers (z.B. Spannungen) der Parameter KP dimensionslos ist, also die Einheit 1 hat. In der Praxis wird er allerdings Proportionalbeiwert genannt, weil es auch durchaus physikalische Umsetzungen gibt, die linear aber nicht dimensionslos sind (z.B. Strom am Eingang und Pulsweiten-Verhältnis (PWM-Signal) am Ausgang.

P-Regler als Bestandteil des PID-Reglers

Der PID-Regler ist in der klassischen Parallelstruktur aufgebaut. In dieser Parallelschaltung werden die drei Anteile (P, I, D) am Reglerausgang aufsummiert, d.h. überlagert. Abb.6 zeigt die realisierte Struktur und die sich daraus ergebenden Reglerkombinationen mit ihren Sprungantworten und den allgemein typischen Parametern:

Abb.6: Struktur des PID(T1)-Reglers und die sich daraus ergebenden Kombinationen

Aus der Darstellung geht hervor, dass ein PI-Regler die Parallelschaltung eines P-Reglers und eines I-Reglers ist, bzw. der PID-Regler mit abgeschaltetem D-Anteil. Analoges gilt für den PD-Regler, der die Parallelschaltung eines P-Reglers und eines D-Reglers darstellt. Die Struktur der kombinierten Reglertypen macht deutlich, dass auch die Sprungantworten eine Überlagerung der Teilsprungantworten sein muss.

Die Sprungantwort des analogen PID-Reglers mit seinen Anteilen lautet dann:

So wie die Struktur des PID-Reglers auf die Verschaltung der Einzelkomponenten hinweist, nämlich auf die einfache Addition, so sind auch die Anteile der Zeitfunktionen mathematisch zu addieren, was einer grafischen Überlagerung gleichkommt:

Abb.7: Sprung der Regelabweichung e und Sprungantwort yR des PID(T1)-Reglers mit 3 überlagerten Anteilen

Somit ist der P-Regler Bestandteil des PID-Reglers und des Regelkreises laut Abbildung 8:

Abb.8: Regelkreis mit P-Regler als Bestandteil des PID-Reglers

Offsetabgleich

Gerade bei empfindlichen Messaufbauten wirkt sich die exakte Kalibrierung eines Reglers sehr vorteilhaft aus. Deshalb besitzt der Proportional-Regler ein Abgleichpotentiometer, mit dessen Hilfe eine exakte Parametereinstellung vorgenommen werden kann.

Abb.9: P-Regler mit Offsetabgleich

Schaltungsanalyse

Für eine Schaltungsanalyse sind dokumentierte Messpunkte auf der Platine vorgesehen.

Schaltungserweiterungen

Darüber hinaus befindet sich auf ihr ein separates Padfeld für anwenderspezifische Schaltungserweiterungen.

Lage der Bedienelemente auf der Frontplatte

Abb.10: Aluminiumfront

Datenblatt

Hinweis:
Alle Daten verstehen sich als typische Werte. Abweichungen insbesondere durch Bestückungsänderungen möglich. Änderungen vorbehalten.

Lieferumfang

Die Lieferung erfolgt je nach Best.-Nr. als fertig aufgebaute und getestete Baugruppe (Fertiggerät) bzw. als kompletter Bauteilsatz zu praktischen Lötübungszwecken (Bausatz). Zubehör ist optional und muss extra bestellt werden. Dieses Zubehör gehört nicht zum Lieferumfang.

hier: Vollständige Produktbeschreibung als Download

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